← Zurück zur Galerie

Ada

Ada

„Das Ideal ist, dass die Beine einer Frau so dünn wie Papier sind.“ Die Hausärztin Ada (32) aus Hongkong promoviert in Amsterdam über Alzheimer. Sie gehört zu den achtzehn Prozent Expats, die in unserer Hauptstadt leben. Ada spricht über Sexismus in Ostasien und die neue Freiheit, die sie in den Niederlanden erlebt.

Aus dem Interview:

„Ich schwimme, seit ich vier bin. Das geht mit kurzen Haaren viel leichter, also habe ich sie abgeschnitten. Als Kind war ich ein Wildfang. Einmal hielt man mich in der Bäckerei für einen Jungen. Ich fand das lustig, und es gab mir ein gutes Gefühl. Mit zehn habe ich angefangen, Rugby zu spielen. Ich hatte einfach Talent dafür. Später spielte ich in der Hongkonger Jugendauswahl. Jeden Sonntagmorgen spielte ich drei Stunden lang Rugby in der Sonne. Ich war voller blauer Flecken und Narben und legte einiges an Muskeln zu.

Mein Vater, der sehr liebevoll ist, fand das für ein Mädchen nicht richtig. Die Norm ist, dass die Haut eines Mädchens so weiß und glatt wie ein gekochtes Ei sein soll. Meine Mutter sagte immer: ‚Du kannst machen, was du willst‘, riet mir aber trotzdem, diese muskulösen Beine zu bedecken. Tatsächlich ist in Ostasien das Ideal, dass die Beine einer Frau so dünn wie Papier sind. Das gilt als elegant.

Junge Mädchen merken nicht, dass Jungen und Männer sie attraktiv finden. Plötzlich bist du Beute: Du kommst in einen Raum, und etwas Unangenehmes passiert. Ich wurde angegriffen und hatte keine Ahnung, wie ich mich davor schützen sollte. Als ich danach Hilfe suchte, wurde ich gedemütigt.

Diese Erfahrung, zusammen mit all den negativen Bemerkungen über meinen Körper, brachte mich aus dem Gleichgewicht. Ich war nie süß und höflich und legte keinen Wert darauf, hübsch auszusehen. Als Teenagerin wurde das manchmal zum Problem, weil ich einfach nicht dazugehörte. Gruppen von Mädchen waren für mich ziemlich beunruhigend. Sie konnten plötzlich ohne Grund jemanden ausschließen. Ich war hart, was ungewöhnlich war. Manche lesbischen Mädchen mochten mich gerade deshalb.

Ich besuchte eine ausgezeichnete Highschool, an der Lernen, Gehorsam und Höflichkeit unerlässlich waren. Zum Glück liebte ich Sport, dort fand ich Freundinnen. Leider erlebte ich auch dort sexuelle Gewalt. Mein Selbstbild wurde noch schlechter. Für mich war es, ein Wildfang zu sein, eine Art, ‘nein‘ zu sagen. Ich versuchte, meine Brüste zu verstecken und überhaupt nicht weiblich auszusehen. Ich war wütend auf alles und jeden.“

Lies weiter im Buch