Iza

„Je älter man wird, desto mehr kommt man mit sich selbst ins Reine.“ Iza (24) hatte eine glückliche Kindheit und lernte am meisten über sich selbst, nachdem sie angefangen hatte, allein zu leben. Als ihre Mutter sie mit vierzehn fragte, ob sie sich vielleicht zu Mädchen hingezogen fühle, wurde sie wütend. Das Happy End: Inzwischen lebt sie mit ihrer Freundin zusammen.
Aus dem Interview:
„Das Gedicht Wieg (Wiege) von Ida Gerhardt stand auf meiner Geburtsanzeige. Gerhardt lebte in Zutphen — der Ex-Partner meiner Mutter kannte sie gut. Jetzt stehe ich an der IJsselkade mit Blick auf den Fluss, neben der Statue der Dichterin, die so oft über Wasser schrieb. Sie lebte in den 1950er-Jahren mit ihrer Partnerin zusammen, was damals recht ungewöhnlich war.
Ich habe es immer geliebt, hier zu leben. Mit meinen Eltern und meinen zwei Schwestern haben wir viel Zeit draußen verbracht. Unsere Familie fühlte sich warm und sicher an. Ich erinnere mich, wie wir einmal in Frankreich zelteten und aus allem, was wir im Wald fanden, ein Zwergendorf bauten. Meine Eltern sind Anthroposophen. Wir bauten Hütten im Wald und trugen Kleidung, die schmutzig werden durfte. Es gab viel Freiheit, und man konnte über alles reden.
Auch zu Hause — meine Mutter ist sehr offen. Sie merkte, wie glücklich ich war, wenn ich meinen Freundinnen wirklich nahe war. Als ich vierzehn war, fragte sie deshalb: ‘Glaubst du, dass du vielleicht Mädchen magst?‘ Sie wollte mir zeigen, dass ich nichts geheim halten musste, dass meine Gefühle in Ordnung waren und wir darüber reden konnten. Aber ich wurde richtig wütend. Ich fühlte mich sogar beleidigt. Ich glaube, ich bin einfach davon ausgegangen, dass ich auf Jungs stehe. Ich konnte mir nichts anderes vorstellen.
Im Rückblick ist das eine merkwürdige Reaktion. Meine Tante lebte mit ihrer Freundin zusammen. In der Schule feierten wir mit Begeisterung den Purple Friday. Vielleicht hatte ich diese Gefühle schon? Vielleicht war Lesbischsein damals einfach weniger sichtbar — nicht wie heute, mit Regenbogen-Zebrastreifen und Flaggen überall, und jungen Leuten, die mit Pronomen experimentieren.
Als Teenagerin hatte ich nie eine Beziehung — es waren immer nur ich und meine Freundinnen. Mit neunzehn fing ich an, mich zu fragen, ob ich vielleicht auch Frauen mag. Ich schaute mir Mädchen auf Dating-Apps an, aber es fühlte sich zu intensiv, zu nah an. Erst mit zwanzig hatte ich mein erstes Date. Da wurde mir klar, dass ich mich stärker zu Frauen als zu Männern hingezogen fühlte. Es gibt einen bestimmten Blick, eine Art Chemie — man erkennt sich einfach.“
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