← Zurück zur Galerie

Lilian

Lilian

„Die Pfadfinder haben mir viel Selbstvertrauen gegeben.“ Lilian (21) studiert Ergotherapie, aber der Fachhochschul-Studiengang unternimmt nicht viel, um auf ihre Behinderung Rücksicht zu nehmen. Ein Gespräch über Pfadfinder, Brustverkleinerung und all ihre Pläne.

Aus dem Interview:

„Die Pfadfinder sind meine zweite Familie. Ich gehe dorthin, seit ich sechs bin, damals traute ich mich nicht mal, laut zu sprechen. Das Pfadfindertum hat mir so viel Selbstvertrauen gegeben, selbst mit meinen psychischen Problemen. Auch später, als es mir körperlich schlechter ging. ‘Alles ist möglich‘ ist dort das Motto. Samstags bin ich die Leiterin der Reitgruppe, die aus Mädchen und Jungen zwischen 11 und 15 Jahren besteht, die einmal im Monat zu einer Reitschule gehen. Gestern habe ich den Jüngsten gezeigt, wie man ein Zelt aufbaut, indem ich ihnen Fragen gestellt habe.

Ich versuche, mit mir selbst zufrieden zu sein. Das ist ziemlich schwierig, weil ich eine recht schwierige psychische Vorgeschichte habe, mit Autismus und einer Essstörung. Mein Magen und Darm funktionierten nicht richtig, deshalb war Essen schwierig. Das Einzige, was ich kontrollieren konnte, war meine Nahrungsaufnahme. Und außerdem findet man sich als Teenager einfach nicht schön.

Zum Glück hatte ich viel Therapie, von zwölf bis achtzehn. Dabei arbeitet man sehr hart an sich selbst. Durch die Therapie habe ich endlich mein wahres Ich kennengelernt. Als ich mit etwa fünfzehn erfuhr, dass ich Autismus habe — was einem niemand ansieht —, konnte ich mich darauf konzentrieren. Früher war ich fantastisch darin, die Person zu sein, die andere von mir erwarteten. Aber jetzt habe ich gelernt, meine eigenen Grenzen zu setzen und nicht von mir zu erwarten, dass ich alles können muss.

Als junges Mädchen bekam ich viele Blicke und Bemerkungen von Männern über meine Brüste ab. Ich war körperlich immer weiter entwickelt und trug schon in der Grundschule einen BH. Ich musste dafür recht früh in ein Fachgeschäft, weil ich große Brüste und einen sehr schlanken Körper hatte. Große Brüste bedeuten auch Rückenschmerzen. Also war eine Brustverkleinerung die Lösung. Du würdest nicht glauben, wie viele Männer damals zu mir sagten: ‘Oh, wie schade‘ und ‘Welche Größe wirst du jetzt haben?‘“

Lies weiter im Buch