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Sidra

Sidra

„Schweig nie darüber, was dich wütend oder traurig macht.“ Sidra (15) ist im ersten Jahr der weiterführenden Schule. Sie floh mit ihrer Familie aus Syrien und kam über einen langen Umweg in die Niederlande. Trotz all der oft schwierigen Irrfahrten ist sie positiv geblieben. Sie hat gute Erinnerungen an Aleppo und an Friesland, den ruhigen Norden der Niederlande.

Aus dem Interview:

„Ich war noch sehr jung, als der Krieg anfing, fünf Jahre alt. Wir lebten bei meinem Großvater in Aleppo. Ich habe zwei ältere und zwei jüngere Schwestern. Mein kleiner Bruder wurde in Syrien von einer Kugel getroffen und starb. Wegen der Gefahr sind wir nach ein paar Monaten in eine andere Stadt nahe der türkischen Grenze gezogen.“

Aber auch dort war es nicht sicher, also gingen wir in die Türkei. Anfangs hatten wir dort keine Wohnung, aber mein Vater fand Arbeit bei einem Gardinenmacher. Heute lebt fast unsere ganze Familie dort. Es war seltsam, plötzlich Türkisch sprechen zu hören. Mein Vater konnte es dank seiner Arbeit schneller lernen. Schließlich durfte ich dort auch zur Schule gehen. Von den drei Jahren, die wir dort lebten, war ich anderthalb Jahre in der Schule.

Aber auch die Türkei war für uns nicht sicher. Deshalb gingen wir nach Griechenland. Nach ein paar Monaten Warten durften wir in die Niederlande fliegen. Wir lebten im Asylbewerberzentrum bei der Stadt Heerenveen in der nördlichen Provinz Friesland — unsere siebenköpfige Familie und meine Tante. Später bekamen wir ein eigenes Haus im Dorf Sint Nicolaasga.

Dort durfte ich wieder zur Schule gehen. In der Schule sprach man Niederländisch, aber die Nachbarn sprachen Friesisch, die örtliche Sprache. Ich lebte vier Jahre dort und musste in Gruppe 1 bei den Vierjährigen anfangen, obwohl ich selbst neun war. Das war etwas seltsam. Zum Glück war es eine sehr kleine Schule, und die Gruppen 1 bis 4 waren zusammen in einer Klasse.

Ich habe schöne Erinnerungen daran. Ich hatte Freunde, es war schön, alle waren nett. 2020 sind wir in eine Stadt im Süden gezogen, weil mein Vater dort einen Job als Lastwagenfahrer bekam. Zuerst wohnten wir in einer Wohnung, später zogen wir in ein größeres Haus. Jetzt haben wir wieder einen kleinen Bruder. Ich spreche Niederländisch mit meinen Schwestern und Syrisch mit meinen Eltern. Das ist Arabisch mit einem syrischen Dialekt.“

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